Prävention sexualisierter Gewalt im Fokus

22. Okt. 2026

Prävention sexualisierter Gewalt im Fokus

Kreisjugendamt Aichach-Friedberg stärkt regionales Netzwerk

Foto: Sebastian Schramm

Das Kreuzgratgewölbe im Kreisgut Aichach war bis auf den letzten Platz gefüllt, als das Kreisjugendamt Aichach-Friedberg zu einem interdisziplinären Fachtag zum Thema Prävention sexualisierter Gewalt einlud. Fachkräfte aus Kitas, Schulen, Beratungsstellen, der Polizei sowie aus der öffentlichen und freien Kinder- und Jugendhilfe kamen zusammen, um die Herausforderungen im Kinderschutz zu diskutieren und die regionalen Strukturen weiter zu festigen.

 

In seiner Eröffnungsrede unterstrich der stellvertretende Landrat Manfred Losinger die Dringlichkeit der Thematik und betonte, dass sexualisierte Gewalt an Kindern tagtäglich in jedem Alter und jedem sozialen Milieu stattfinde, wobei jedes betroffene Kind eines zu viel sei. Die Jugendamtsleitung Nadine Kopp ergänzte, dass ein effektiver Schutz von Kindern und Jugendlichen nur durch eine gemeinschaftliche Verantwortungsübernahme gelingen könne. Der Fachtag markierte zudem den Abschluss der Projektphase „Kinder schützen“, das 2022 initiiert wurde, und dient als Auftakt, um das Thema noch stärker in den regionalen Kinderschutzstrukturen zu verankern.

 

Das Programm bot ein breites Spektrum an Expertenwissen. So klärte Prof. Dr. Elisabeth Mützel von der Kinderschutzambulanz der LMU München aus rechtsmedizinischer Sicht auf, während Tanja Kämper vom Wildwasser e.V. Augsburg die spezialisierten Beratungsangebote für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte vorstellte und berührende Einblicke in anonymisierte Fallbeispiele gab. Zudem erläuterte Michael Laumer aus kriminalpolizeilicher Sicht die Besonderheiten digitalisierter Gewaltformen wie etwa das Cybergrooming.

Durch eine Podiumsdiskussion und interaktive Pausen erhielten die Teilnehmenden zudem die Gelegenheit, sich intensiv mit regionalen Angeboten zu vernetzen und sich auszutauschen. Dabei zeigte sich, dass das regionale Netzwerk bereits sehr stark und handlungsfähig ist. Als zentrale Schutzfaktoren für Kinder wurden eine altersgerechte sexuelle Bildung von Beginn an, die Förderung eines stabilen Selbstwertes, eine gute Sprachentwicklung sowie die soziale Integration identifiziert.

 

Fachkräfte wurden in ihrer Verantwortung als wachsame Bezugspersonen bestärkt, insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung des Hinschauens bei auffälligem Verhalten. Es wurde betont, betroffenen Kindern ein offenes und glaubendes Ohr zu schenken sowie besonnen und fachlich abgestimmt zu handeln. Mit dem Appell, dass sexualisierte Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Phänomen sei, das alle angehe, schloss Nadine Kopp den erfolgreichen Fachtag ab.

 

 

Wildwasser e.V. Augsburg: 0821 154444

 

Hilfetelefon sexualisierte Gewalt: 0800 2255530